Eine Kündigung gehört zu den Situationen im Berufsleben, die selbst dann emotional treffen können, wenn sie nicht völlig überraschend kommt. Innerhalb weniger Augenblicke entstehen zahlreiche Fragen: Ist die Kündigung überhaupt wirksam? Wie lange muss ich noch arbeiten? Bekomme ich Arbeitslosengeld? Muss ich mich sofort arbeitslos melden? Und wann sollte ich anfangen, mich auf neue Stellen zu bewerben?
Gerade jetzt ist es wichtig, nicht kopflos zu handeln. Denn nach einer Kündigung laufen teilweise kurze Fristen, während gleichzeitig Entscheidungen anstehen, die finanzielle und berufliche Auswirkungen haben können.
Deshalb gilt zunächst: Kündigung prüfen, wichtige Fristen sichern und erst danach die nächsten Schritte planen.
Auch wenn die Situation emotional ist, solltest Du zunächst das Kündigungsschreiben genau ansehen.
Prüfe insbesondere:
Wann hast Du die Kündigung erhalten?
Welches Datum trägt das Kündigungsschreiben?
Zu welchem Termin soll das Arbeitsverhältnis enden?
Welche Kündigungsfrist wurde zugrunde gelegt?
Ist das Schreiben unterschrieben?
Wurde eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung ausgesprochen?
Wurdest Du freigestellt oder sollst Du bis zum Ende weiterarbeiten?
Notiere Dir außerdem den genauen Tag, an dem Dir die Kündigung zugegangen ist. Dieses Datum kann für verschiedene Fristen von entscheidender Bedeutung sein.
Wichtig ist auch die Form: Eine Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedarf nach § 623 BGB der Schriftform. Die elektronische Form ist ausdrücklich ausgeschlossen. Eine ausschließlich per E-Mail oder Messenger übermittelte Kündigung erfüllt diese gesetzliche Schriftform daher grundsätzlich nicht.
Nicht jede Kündigung ist automatisch wirksam, nur weil sie auf Papier ausgesprochen wurde. Je nach Situation können beispielsweise Kündigungsfrist, Kündigungsgrund, besonderer Kündigungsschutz oder formale Voraussetzungen eine Rolle spielen.
Wenn Du Zweifel an der Kündigung hast oder Dich gegen sie wehren möchtest, solltest Du deshalb nicht lange warten.
Besonders wichtig ist die Frist für eine Kündigungsschutzklage. Soll gerichtlich festgestellt werden, dass eine schriftliche Kündigung das Arbeitsverhältnis nicht beendet hat, muss grundsätzlich innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung Klage beim Arbeitsgericht erhoben werden.
Diese Frist solltest Du ernst nehmen. Wer erst Wochen später beginnt, die rechtliche Situation zu prüfen, kann wichtige Möglichkeiten bereits verloren haben.
Bei Unsicherheit kann deshalb eine frühzeitige Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder eine andere geeignete Beratungsstelle sinnvoll sein.
Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt, bedeuten aber nicht dasselbe.
Die Arbeitsuchendmeldung erfolgt bereits, während Dein bisheriges Arbeitsverhältnis noch besteht. Sie informiert die Agentur für Arbeit darüber, dass Deine Beschäftigung zu einem bestimmten Zeitpunkt voraussichtlich endet.
Erfährst Du mehr als drei Monate vor dem Ende Deines Arbeitsverhältnisses davon, solltest Du Dich spätestens drei Monate vor dem Ende arbeitsuchend melden. Erfährst Du erst kurzfristig, dass Dein Arbeitsverhältnis endet, musst Du Dich grundsätzlich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend melden.
Die Arbeitslosmeldung ist davon zu unterscheiden. Sie wird relevant, wenn Du tatsächlich keine Beschäftigung mehr hast und bis dahin keine neue Stelle gefunden wurde.
Die Arbeitslosmeldung sollte spätestens am ersten Tag Deiner Arbeitslosigkeit erfolgen. Sie ist eine wichtige Voraussetzung dafür, Arbeitslosengeld beziehen zu können.
Eine vorherige Arbeitsuchendmeldung ersetzt die Arbeitslosmeldung nicht.
Wenn Dein Arbeitsverhältnis beispielsweise zum 30. September endet und Du am 1. Oktober keine neue Beschäftigung beginnst, musst Du darauf achten, dass neben der Arbeitsuchendmeldung auch die erforderliche Arbeitslosmeldung erfolgt.
Das klingt nach Bürokratie, ist aber finanziell wichtig. Eine verspätete Arbeitsuchendmeldung kann zu Nachteilen führen. Deshalb solltest Du diese organisatorischen Schritte möglichst direkt nach Erhalt der Kündigung erledigen und nicht bis zum letzten Arbeitstag aufschieben.
Ob und in welcher Höhe ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und Deiner individuellen Situation ab. Dazu gehören insbesondere die erforderlichen Versicherungszeiten.
Auch der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses kann eine Rolle spielen.
Die Annahme „Wenn der Arbeitgeber kündigt, gibt es niemals eine Sperrzeit“ wäre zu pauschal. Die Bundesagentur für Arbeit prüft den Grund der Arbeitslosigkeit. Auswirkungen können beispielsweise entstehen, wenn ein Arbeitnehmer selbst kündigt, einen Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag schließt oder der Arbeitgeber wegen eines vorgeworfenen arbeitsvertragswidrigen Verhaltens kündigt.
Deshalb solltest Du Dich bei Fragen zu Deinem konkreten Anspruch direkt bei der Agentur für Arbeit informieren.
Manchmal legt ein Arbeitgeber im Zusammenhang mit einer Trennung zusätzlich einen Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag vor. Darin können beispielsweise Abfindung, Freistellung, Resturlaub, Arbeitszeugnis oder andere Punkte geregelt werden.
Unterschreibe ein solches Dokument nicht allein deshalb sofort, weil Du Dich unter Druck gesetzt fühlst.
Ein Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag kann rechtliche und sozialversicherungsrechtliche Auswirkungen haben. Die Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt bei der Prüfung möglicher Sperrzeiten ausdrücklich auch solche Vereinbarungen.
Nimm Dir deshalb die notwendige Zeit, den Inhalt zu verstehen und gegebenenfalls fachkundig prüfen zu lassen.
Nach der ersten organisatorischen und rechtlichen Klärung solltest Du Dich um Deine beruflichen Unterlagen kümmern.
Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis kann für spätere Bewerbungen wichtig sein. Darüber hinaus solltest Du prüfen, welche weiteren Unterlagen Du für Deine berufliche Zukunft benötigst.
Dazu können gehören:
Arbeitszeugnis oder Zwischenzeugnis
Nachweise über Weiterbildungen
Zertifikate
dokumentierte Qualifikationen
eigene Zielvereinbarungen oder Leistungsnachweise, soweit Du diese rechtmäßig behalten darfst
relevante Gehalts- und Beschäftigungsunterlagen
Bei Arbeitsproben ist Vorsicht geboten. Unternehmensinterne, vertrauliche oder personenbezogene Dokumente darfst Du nicht einfach kopieren oder mitnehmen, nur weil Du selbst daran gearbeitet hast.
Sichere deshalb nur Unterlagen, die Dir gehören oder die Du rechtmäßig für Deine eigenen Zwecke verwenden darfst.
Eine Kündigung beendet das Arbeitsverhältnis häufig nicht sofort. Zwischen dem Zugang der Kündigung und dem tatsächlichen Ende können mehrere Wochen oder Monate liegen.
In dieser Zeit sollte geklärt werden, was mit offenen Urlaubstagen und gegebenenfalls vorhandenen Überstunden geschieht. Auch eine Freistellung kann eine Rolle spielen.
Wenn Dein Arbeitgeber Dich freistellt, solltest Du genau prüfen, wie diese Freistellung formuliert ist und welche Auswirkungen sie beispielsweise auf Urlaub oder andere Ansprüche haben soll.
Verlasse Dich bei offenen Punkten nicht nur auf mündliche Aussagen. Gerade in einer Trennungssituation ist es sinnvoll, wichtige Vereinbarungen nachvollziehbar festzuhalten.
Es gibt keinen Grund, bis zum letzten Arbeitstag zu warten. Sobald die wichtigsten Fristen geklärt sind, kannst Du Dich mit Deiner beruflichen Zukunft beschäftigen.
Trotzdem solltest Du nicht in hektischen Aktionismus verfallen.
Eine Kündigung erzeugt schnell das Gefühl, möglichst sofort irgendeinen neuen Job finden zu müssen. Doch gerade jetzt lohnt es sich, kurz zu überlegen, was Du eigentlich suchst.
Welche Aufgaben möchtest Du weiterhin machen? Was hat Dir im bisherigen Job gefehlt? Möchtest Du in derselben Branche bleiben? Willst Du mehr Verantwortung übernehmen oder bewusst weniger? Welche Arbeitsbedingungen sind Dir beim nächsten Arbeitgeber wichtig?
Aus diesen Antworten entsteht eine wesentlich gezieltere Jobsuche.
Mit BeastAI auf JOBBEAST kannst Du beispielsweise direkt beschreiben, was Du beruflich suchst, statt Dich ausschließlich durch klassische Suchfilter zu arbeiten.
Bevor Du die ersten Bewerbungen verschickst, solltest Du Deinen Lebenslauf auf den aktuellen Stand bringen.
Ergänze nicht nur Deine letzte Position und das Beschäftigungsdatum. Überlege auch, welche Erfolge, Projekte und zusätzlichen Verantwortlichkeiten aus dieser Zeit für Deinen nächsten Arbeitgeber interessant sein könnten.
Frage Dich:
Welche Ergebnisse habe ich erzielt?
Welche Verantwortung hatte ich?
Welche Fähigkeiten habe ich neu entwickelt?
Welche Projekte habe ich erfolgreich abgeschlossen?
Welche Erfahrungen möchte ich im nächsten Job einsetzen?
Die Kündigung selbst muss dabei nicht zum Mittelpunkt Deiner Bewerbung werden. Dein Lebenslauf soll Deine berufliche Entwicklung darstellen und nicht die Trennung von Deinem bisherigen Arbeitgeber erklären.
Weitere Hinweise zu Lebenslauf, Bewerbung und Vorstellungsgespräch findest Du in den Karriere-Tipps von JOBBEAST.
Spätestens im Vorstellungsgespräch kann die Frage auftauchen, warum Dein bisheriges Arbeitsverhältnis endet oder beendet wurde.
Darauf solltest Du vorbereitet sein.
Eine sachliche und kurze Erklärung ist meist besser als eine lange Rechtfertigung. Bei einer betriebsbedingten Kündigung kannst Du den Hintergrund entsprechend benennen. Bei anderen Konstellationen solltest Du eine ehrliche Formulierung finden, die erklärt, was passiert ist, ohne das gesamte Bewerbungsgespräch auf den früheren Arbeitgeber zu konzentrieren.
Vermeide insbesondere ausführliche Abrechnungen mit ehemaligen Vorgesetzten oder Kollegen.
Das Vorstellungsgespräch dreht sich schließlich nicht darum, wer in der Vergangenheit recht hatte. Es geht darum, ob Du und der neue Arbeitgeber künftig zusammenpassen.
Eine Kündigung ist zunächst einmal das Ende eines Arbeitsverhältnisses. Sie kann aber gleichzeitig ein sinnvoller Zeitpunkt sein, die eigene berufliche Situation neu zu bewerten.
Vielleicht möchtest Du genau denselben Job bei einem anderen Arbeitgeber machen. Vielleicht merkst Du aber auch, dass bestimmte Rahmenbedingungen im bisherigen Arbeitsverhältnis schon länger nicht mehr zu Dir gepasst haben.
Nutze die Gelegenheit, Deine Prioritäten neu zu sortieren.
Gehalt, Arbeitszeit, Homeoffice, Führungsverantwortung, Unternehmenskultur, Entwicklungsmöglichkeiten oder Arbeitsweg können bei der nächsten Entscheidung unterschiedlich stark gewichtet werden.
Je genauer Du weißt, was Du suchst, desto geringer ist das Risiko, aus Zeitdruck beim nächsten Arbeitgeber wieder Kompromisse einzugehen, die Dich nach wenigen Monaten unzufrieden machen.
Eine Jobsuche kann schnell zu einer Vollzeitbeschäftigung werden, wenn jeder freie Moment mit Stellenanzeigen, Bewerbungen und Gedanken über die Zukunft gefüllt wird.
Eine klare Struktur kann helfen.
Plane feste Zeiten für Stellensuche und Bewerbungen ein. Dokumentiere, wo Du Dich beworben hast und wann Du nachfassen möchtest. Setze Dir realistische Wochenziele, statt jeden Tag möglichst viele Bewerbungen verschicken zu wollen.
Dabei gilt weiterhin: Qualität ist wichtiger als Quantität.
Fünf sorgfältig ausgewählte und gut vorbereitete Bewerbungen können sinnvoller sein als 30 Bewerbungen, bei denen Lebenslauf und Motivation kaum zur jeweiligen Stelle passen.
Nach einer Kündigung musst Du nicht sofort Deine gesamte berufliche Zukunft kennen. Einige Dinge solltest Du jedoch zeitnah erledigen:
Zugang und Inhalt der Kündigung prüfen
Kündigungsfrist und Beendigungsdatum kontrollieren
bei Zweifeln rechtzeitig rechtlichen Rat einholen
Drei-Wochen-Frist für eine mögliche Kündigungsschutzklage beachten
rechtzeitig arbeitsuchend melden
spätestens am ersten Tag der tatsächlichen Arbeitslosigkeit arbeitslos melden
möglichen Anspruch auf Arbeitslosengeld klären
Arbeitszeugnis und wichtige Nachweise sichern
Resturlaub, Überstunden und gegebenenfalls Freistellung klären
Bewerbungsunterlagen aktualisieren
die Jobsuche strukturiert beginnen
Du musst nicht alles an einem einzigen Tag erledigen. Entscheidend ist, die zeitkritischen Punkte zuerst anzugehen.
Eine Kündigung kann vieles gleichzeitig auslösen: Unsicherheit über die finanzielle Situation, Zweifel an der eigenen beruflichen Zukunft und den Wunsch, möglichst schnell wieder Sicherheit zu gewinnen.
Gerade deshalb hilft eine klare Reihenfolge.
Prüfe zunächst die Kündigung und mögliche rechtliche Fristen. Melde Dich rechtzeitig arbeitsuchend und gegebenenfalls arbeitslos. Kläre Deine Ansprüche und sichere wichtige Unterlagen. Erst danach musst Du entscheiden, wie Dein nächster beruflicher Schritt aussehen soll.
Und dieser nächste Schritt muss nicht einfach darin bestehen, den verlorenen Job möglichst schnell zu ersetzen.
Eine Kündigung beendet ein Arbeitsverhältnis. Was danach kommt, kannst Du wesentlich stärker selbst gestalten.