Karriereseiten gehören heute zur Standardausstattung nahezu jedes Unternehmens. Kaum eine Karriereseite kommt zudem ohne Bewerbermanagementsystem, Login-Bereich, Bewerbungsformular und Bewerberdatenbank aus. Für Unternehmen ergibt das durchaus Sinn. Prozesse werden strukturiert, Daten zentral erfasst und Bewerbungen effizient verwaltet.
Die entscheidende Frage lautet jedoch: Sind diese Systeme auch für Bewerber sinnvoll?
Wer sich die meisten Karriereseiten aus Sicht eines Kandidaten anschaut, erkennt schnell ein grundlegendes Problem. Viele dieser Systeme wurden entwickelt, um interne Abläufe zu optimieren. Die Bedürfnisse der Bewerber standen dabei häufig nicht im Mittelpunkt.
Für Unternehmen beginnt Recruiting mit einer offenen Stelle. Für Bewerber beginnt Recruiting mit Interesse.
Zwischen diesen beiden Ausgangspunkten liegt ein entscheidender Unterschied.
Wer heute online etwas bestellt, eine Reise bucht oder einen Streamingdienst nutzt, erwartet Geschwindigkeit und Einfachheit. Niemand möchte Formulare ausfüllen, Daten mehrfach eingeben oder sich registrieren, bevor überhaupt ein Ergebnis sichtbar wird. Digitale Produkte haben die Erwartungen der Menschen verändert.
Diese Erwartungen machen vor Recruiting nicht Halt.
Trotzdem begegnen Bewerber noch immer Prozessen, die aus einer anderen Zeit stammen. Lebenslauf hochladen. Daten manuell nachtragen. Benutzerkonto erstellen. Passwort vergeben. E-Mail bestätigen. Weitere Formulare ausfüllen. Dokumente ergänzen. Abschicken.
Jeder einzelne Schritt erscheint für sich betrachtet nachvollziehbar. In der Summe entsteht jedoch etwas anderes. Reibung. Und Reibung kostet Bewerber.
Besonders deutlich wird das auf mobilen Endgeräten. Während Unternehmen ihre Stellenanzeigen zunehmend mobil optimieren, enden viele Bewerbungsprozesse noch immer in Formularlandschaften, die auf dem Smartphone wenig Freude bereiten. Genau dort verlieren Arbeitgeber Kandidaten, die eigentlich interessiert waren.
Dabei geht es nicht darum, dass Menschen grundsätzlich keine Bewerbungsunterlagen einreichen möchten. Es geht darum, dass sie unnötige Hürden vermeiden wollen.
Die erfolgreichsten digitalen Produkte unserer Zeit haben eine Gemeinsamkeit. Sie reduzieren Komplexität. Sie verlangen vom Nutzer möglichst wenig Aufwand. Sie beseitigen Hindernisse, anstatt neue zu schaffen.
Recruiting folgt häufig noch der gegenteiligen Logik.
Je schwieriger es wird, sich zu bewerben, desto kleiner wird die Zahl der Menschen, die den Prozess tatsächlich abschließen. Das betrifft nicht nur aktiv suchende Bewerber. Besonders betroffen sind diejenigen Kandidaten, die grundsätzlich offen für einen Wechsel wären, aber nicht bereit sind, dafür einen aufwendigen Bewerbungsprozess zu durchlaufen.
Gerade diese Zielgruppe wird für Arbeitgeber jedoch immer wichtiger.
Die Zukunft erfolgreicher Personalgewinnung wird deshalb nicht allein durch Reichweite oder Arbeitgebermarken entschieden. Sie wird auch davon abhängen, wie einfach Unternehmen den Weg von Interesse zu Bewerbung gestalten.
Wer heute noch glaubt, dass möglichst viele Formulare zu besseren Bewerbungen führen, verwechselt Kontrolle mit Nutzerfreundlichkeit.
Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Informationen ein Unternehmen gerne hätte.
Die entscheidende Frage lautet, welche Hürden wirklich notwendig sind.
Denn am Ende gewinnt nicht die Karriereseite mit den meisten Funktionen.
Es gewinnt das Unternehmen, bei dem sich die besten Kandidaten am einfachsten bewerben können.